

Im Oktober 2026 habe ich für Südbund, den Einkaufsverband für Heimtextilien, einen Tag gestaltet, der mehr war als ein Workshop. „Wertvoll. Weiblich. Wirksam.“ hieß er. Wir trafen uns im Landgasthof & Hotel Jagstmühle in Heimhausen im Hohenlohekreis, einem stilvollen und zugleich schnuckeligen Ort für so einen Tag. Dabei waren zwölf Frauen aus dem Raumausstatterhandwerk: Inhaberinnen, Frauen, die den Betrieb mit Mann oder Bruder führen, und angestellte Fachkräfte.
Am Ende stand keine Feedbackrunde mit „war schön“. Am Ende standen Frauen, die wussten, welche Leistung sie ab dem nächsten Arbeitstag nicht mehr verschenken. Und ein Verband, der von seinen Mitgliedern hörte, wie es weitergehen soll.
Im Vorgespräch mit Südbund wurde schnell klar, worum es wirklich geht. Viele Betriebe berechnen ihre Leistung zu niedrig. Die Beratung, das Auge für den ganzen Raum, das dritte Nachbessern: Das läuft oft einfach mit. Frauen trifft das häufig doppelt, weil sie in Gesprächen mit Kunden und Lieferanten seltener als Chefin wahrgenommen werden.
Die Folgen spürt die ganze Branche. In vielen Betrieben ist es finanziell knapp. Mustereinkäufe, Weiterbildung und Messebesuche werden aufgeschoben. Ausbildungsplätze werden nicht angeboten. Und Handwerkerinnen werden als Erfüllungsgehilfinnen gesehen statt als Gestalterinnen. Das ist kein Problem einzelner Frauen. Es betrifft jeden Verband, dessen Mitglieder wirtschaftlich gesund sein müssen, um zu investieren, auszubilden und zu wachsen.
Ich hatte eine klare Bedingung an mich selbst: Wir arbeiten nicht an dem, was fehlt. Wir arbeiten an dem, was da ist. Die Frauen im Raum waren gestandene Unternehmerinnen und Fachkräfte mit Jahrzehnten Erfahrung. Sie mussten nicht repariert werden. Sie hatten nur selten jemanden, der ihren Wert laut ausspricht.
Deshalb gab es keinen Vortrag über Kalkulation und keine Belehrung. Die Frauen haben sich gegenseitig gestärkt, beraten und gespiegelt. Meine Aufgabe war es, den Raum dafür zu bauen. Unser Leitgedanke: Ihr gestaltet seit Jahren Räume für andere. Heute gestaltet ihr euren eigenen.
Der Tag folgte einem klaren Bogen: Ich erkenne meinen Wert, ich stehe für ihn ein, ich entscheide, ich zeige mich. Zuerst haben die Frauen sichtbar gemacht, was sie alles können, und dabei gemerkt, wie viel davon sie verschenken. Danach ging es darum, für den eigenen Preis einzustehen, auch wenn das Gegenüber nachbohrt oder die Frau gar nicht als Chefin wahrnimmt. Eine Teilnehmerin aus dem Außendienst eines Industriepartners brachte die Perspektive von der anderen Seite des Tisches ein. Ihre Botschaft: Die Industrie braucht euch. Zum Schluss hat jede eine konkrete Entscheidung getroffen und überlegt, wie sie ihr Können künftig zeigt.
Jede ging mit einem Umschlag nach Hause, außen ein Schmetterling, innen alles, was der Tag hervorgebracht hat. Darin waren Sätze von den anderen Frauen darüber, was sie kann, in verschiedenen Handschriften, zum Herausholen an Tagen, an denen man zweifelt. Dazu eine Entscheidung, welche bisher verschenkte Leistung ab jetzt sichtbar oder berechnet wird, mit Termin und einem fertigen Satz für den Einwand. Und eine erste Idee, wie sie ihr Können Kundinnen und Kunden zeigt.
Dazu kommt eine Postkarte an sich selbst, die ich nach einigen Wochen verschicke. Darauf lief der ganze Tag hinaus: Jede Frau verlässt den Raum mit dem Satz „Ich weiß, was ich ab morgen anders mache.“
Für Südbund war dieser Tag der Auftakt einer Initiative, Frauen im Raumausstatterhandwerk stärker zu unterstützen. Für jeden Verband steckt darin ein mehrfacher Nutzen:
Die schönste Rückmeldung kam nach dem Tag: Südbund setzt die Reihe im nächsten Jahr fort und sucht dafür niemand Neues, sondern macht mit mir weiter. Darauf freue ich mich sehr.
Entstanden ist das Konzept für Raumausstatterinnen. Es funktioniert aber überall, wo Handwerkerinnen und Handwerker mehr können, als sie berechnen, also fast überall: in Fachverbänden und Innungen, in Einkaufsverbänden und Kooperationen, bei Kammern und Wirtschaftsförderungen und in Unternehmerinnen-Netzwerken. Die Bausteine passe ich an das Gewerk und die Gruppe an, als ganzen Tag oder als Auftakt einer Reihe.
Ich habe neun Jahre meinen eigenen Steinmetzbetrieb geführt. Ich weiß, wie es ist, abends noch Angebote zu schreiben und sich zu fragen, ob der Preis jetzt zu hoch ist. Genau deshalb baue ich Räume, in denen Handwerkerinnen ihren Wert erkennen und dafür einstehen.
Du möchtest so einen Tag für deine Mitgliedsbetriebe? Dann lass uns sprechen. Mehr zu meinen Formaten findest du unter Workshops & Webinare.